Reisebericht Dänische Südsee
SY Johanna (Hornet 33)
Besatzung: Renate Frehse, Stephan Schindel
Reiseroute: Stickenhörn
Dyvig
Hejlsminde
Fredericia
Ebeltoft
Grenå
Mårup (Samsø)
Nyborg
Troense (Tåsinge)
Fåborg
Stickenhörn (372 sm)
Reisezeit: 25.07.2011 – 07.08.2011
Stickenhörn – Dyvig
Nach dem Renate und ich schon in den vergangenen Tagen die Proviantierung gemacht haben hält uns auch das schlechte Wetter in Kiel nicht länger fest: am späten Vormittag machen wir los und setzen schon bald Segel. Denn zum Segeln wollten wir Urlaub auf dem Wasser machen. Motoren sollte erst später dazukommen.
Schon dieser erste Tag hat es in sich: die Reiseroute führt uns über den Stollergrund, an Damp und Maasholm vorbei zum LT Kalkgrund. Wir umgingen den Mittelgrund auf der Luvseite (Wind: SW 2-3) und treffen gegen 17.00 Uhr vor der Brücke in Sønderborg ein. Am Schloss ist es seltsam ruhig. Keine Touristen sind zu sehen, auch sonst kaum ein Mensch. Des Rätsels Lösung zeigt sich durch auf einmal klingendes Spiel und einen langen Umzug: Es sind die Nordischen Segelmeisterschaften für die Jugend und wir erleben die Eröffnungsveranstaltung hautnah und stilgerecht vom Wasser aus. Die Jugendlichen und Kinder aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Estland versammeln sich um eine Reihe Flaggenmasten vor dem Schloss. Nach einer Schweigeminute für die Ereignisse in Norwegen werden die Flaggen der teilnehmenden Länder gehisst und die Wettkämpfe mit Böllerschüssen eröffnet. Nach der Brücke setzen wir bald wieder Segel und fahren gegen 18.40 Uhr vom Als Sund in den Als Fjord ein. Als Ziel des heutigen Tages peilen wir Dyvig an, nach dem es uns in Sønderborg zu voll erschienen war. Am nördlichen Ende des Alsfjord biegen wir in das sehr enge (stellenweise gerade mal 3m) aber gut betonnte Fahrwasser nach Dyvig ab. In Dyvig ist trotz der späten Stunde noch ein Platz für uns frei und der Hafenmeister weist uns vom Steg her in den Platz ein. Hafengeld ist 130 DKK; Es gibt nur jeweils eine (!) Toilette und eine Dusche für alle Segler. Da muss am nächsten Morgen früh aufgestanden werden, wenn man noch schnell duschen will.
Dyvig – Hejlsminde
Nach erfolgreichem Hafenmanöver in Dyvig setzen wir schon in der Stegsvigt Bugt Segel und segeln bei auffrischendem (Bft 4) bis einschlafendem (Bft 1-0) Wind gen Norden. Es wird warm und sonnig, zieht sich aber am Nachmittag wieder kräftig zu. Wir fahren durch den Årøsund (mit 2kn Strom mit) und laufen in den Kleinen Belt ein. Nur der Wind bleibt nun ganz weg.
Unter Motor laufen wir in Hejlsminde ein, der sich als sehr dänischer Hafen erweist: wir sind die einzigen Deutschen. Die Zufahrt ist ein langes gewundenes Fahrwasser mit Pricken, die Hafeneinfahrt ist betonnt. Der ehemals sehr flache Hafen hat nun überall eine Wassertiefe von ca. 2,50 m. An der Stegseite, die zum Noor hin liegt, muss sehr gut festgemacht werden, denn aus dem Noor setzt ein Strom von gut 2 Knoten, der alle sechs Stunden die Richtung wechselt.
Die Sanitäranlagen sind sehr gut und beim Hotel (
Danland Hejlsminde Badehotel-> Hejlsminde) lassen sich Brötchen für den nächsten Morgen bestellen. Hafengeld ist 120 DKK, Wasser und Dusche inbegriffen.
Hejlsminde – Fredericia
Ablegen gegen 10.10 Uhr. Wir müssen den ganzen Tag motoren, denn leider ist es heute völlig windstill; das einige spürbare Lüftchen entsteht wohl nur durch die Thermik in Landnähe und bei der Durchfahrt durch die Brücken bei Middelfahrt. In der Bucht von Middelfahrt beobachten wir die ersten Tümmler: erst einen alleine, dann zwei weitere.
Irgendwie gewinnen wir den Eindruck, dass unsere ETA für Fredericia immer weiter nach hinten rückt, obwohl wir laut Logge schon 5½ Knoten fahren. Ein Blick auf das GPS verrät uns auch den Grund: wir haben gute 2½ Knoten Strom gegenan und daher eine FüG von unter 2,8 Knoten! Dabei sieht das uns umgebende Wasser völlig ruhig aus.
Bei der großen Brücke müssen wir einem uns überholenden niederländischen Gaffelschoner ausweichen, der uns einfach rücksichtslos aus dem Fahrwasser drängt. Keiner der Steuerleute drüben an Bord scheint uns wahrzunehmen, denn sie sehen nur wie Unbeteiligte zu uns herunter.
Am Nachmittag laufen wir in Fredericia ein und machen fest. Im Hafen muss wegen des stark steigenden und fallenden Wasserstandes (+/- 0,5m) sehr variabel festgemacht werden. Uns gegenüber auf der anderen Stegseite entdecken wir das Boot Filou unseres Vereinskameraden Hans-Jürgen Engeland Später treffen wir Ihn und seine Familie noch zu einem kleinen Plausch auf dem Steg.
Nach dem Festmachen machen wir sofort einen längeren Spaziergang durch die Stadt. Im Stadtkern am Brunnen gibt es erst mal ein typisch dänisches Eis: eine große Waffel mit Lakritze, Erdbeere und Erdbeer-Eischnee mit Schokosoße. Im besonderen Mittelpunkt des Spazierganges sind die Wallanlagen, die auf der Westseite die Stadt umgeben. Sie sind vor allem in der Nähe zwischen der Prinsessens und der Prins Georg Bastion mit vielen alten Kanonen bestückt. Diese sind auf Tafeln gut erklärt und eine Freunde vieler Kinder!
Hafengeld: 100 DKK + Ticket für die Dusche am Automaten. Die Sanitäranalgen sind nicht sehr gepflegt und riechen ein wenig.
Fredericia – Ebeltoft
Nach dem sehr frühen Aufstehen entscheiden wir uns, möglichst früh zu starten, denn mit unserem angepeilten Ziel Ebeltoft steht uns ein größerer Schlag nach Norden bevor. Laut DMI soll der Wind auf 6-7 Bft aus NW auffrischen. Wir bereiten uns auf sehr viel Wind vor: Unter Deck wird alles gesichert, an Deck wechseln wir die Genua 2 auf die Genua 3, um ein flottes Segeln zu ermöglichen.
Um 07:00 Uhr starten wir bei lauen 1-2 Bft aus Nordwest. Gleich vor dem Hafen, der in einer Südwestecke der Bucht liegt setzen wir Segel um nach Norden zu laufen. Doch schon im nächsten Moment müssen wir sie wieder bergen, und den Motor anwerfen: direkt vor unserer Nase wird ein großer Tanker mit Schlepperhilfe von der Kaie wegbewegt und gleich auch noch um 180° gedreht. Das benötigt viel Platz und wir müssen natürlich ausweichen. Die „Thornby“ schafft ihr Manöver, nach dem uns einer der beiden Schlepper mit ‚Achtung‘ angetutet hat. Da wir den Funk vergessen hatten anzuschalten, wurden wir so sehr einfach und direkt vor dem Hafenmanöver gewarnt!
Der Wind frischt tatsächlich etwas auf, bleibt dann aber bei 3 Bft aus NW. So laufen wir aus der Ferdericia-Bugt in Tümmlerbegleitung hoch am Wind aus.
Als wir in die Bucht von Ebeltoft einlaufen werden wir von einem Donnerschlag begrüßt, den wir uns nicht erklären können: der Himmel ist wolkenlos und die Sonne scheint prächtig. Es ist etwa 15:35 Uhr. An der großen Sandbank vor Ebeltoft bergen wir die Segel, werfen den Motor an und folgen der Betonnung in den Hafen. Im ‚Trafik og Lustbådehavn‘ ist im mittleren Becken noch ein Platz für uns frei. Dort machen wir fest. Beim Verlegen des Stromkabels ist es sehr hilfreich, eine Stromkabelweiche mit Stecker und Buchse zu haben, denn hier sind zu wenige Stromanschlüsse für alle Boote vorhanden.
Kurze Zeit später kommt ein Hüne von Hafenmeister herum, um das Hafengeld zu kassieren. Nach kurzen Verständigungsversuchen auf Dänisch stellt sich heraus, dass er ein Deutscher ist, der vor fast 50 Jahren in Ebeltoft hängen geblieben ist. Wir freunden uns gleich mit ihm an.
Hafengeld ist 120 DKK + 10 DKK Duschgeld pro Duschvorgang. Das Duschgeld wird freiwillig in den dafür vorgesehenen Kasten am Hafenmeisterbüro eingezahlt. Die Zugangsnummer für das Sanitärhaus der Segler ist 1357#.
Ebeltoft Hafentag
Vormittags und mittags bummeln wir durch das wunderschöne Ebeltoft. Wir sehen uns die Geschäfte an und kaufen bei einem Bäcker noch eine Wienerstang und frisches Brot.
es gibt eine Bonbonmanufaktur (Mols Bolsjer,
http://www.molsbolsjer.dk/), in der wir viel probieren und natürlich auch einkaufen. Im städtischen Museum ist eine große Siam-Sammlung untergebracht, die das Leben in Siam (das heutige Indonesien) in der Zeit von 1914-1933 beschreibt. Gestiftet von einem Sohn der Stadt, der sich neben der Fischerei mit Großwildjagd beschäftigte. Daneben wird im Museum noch eine umfangreiche Sammlung jungsteinzeitlicher Feuersteinbeile gezeigt, die bis zur angehenden Kupferzeit reichen. Im Obergeschoss ist noch eine Darstellung über die Gewerke der Stadt aus der Gründerzeit zu sehen.
Im Farvergården (Färbergarten,
http://www.ebeltoftmuseum.dk), einem weiteren Teil des städtischen Museums ist eine Färberei aus der Zeit von 1820 bis ca. 1940 vollständig erhalten geblieben. Zu sehen ist der gesamte Produktionsverlauf beginnend vom Züchten der zum Färben benötigten Pflanzen, über das Färben und Behandeln der Stoffe bis hin zur Aufbewahrung und Kleiderherstellung durch den Schneider.
Die vielen Glaskünstler, die sehr fantasievolle Kunstgegenstände herstellen, bilden neben den Rosen und Bauernrosen, die überall die Straßen und niedrigen (Fachwerk-)Häuser zieren, ein herrliches Gesamtbild dieser Stadt.
Am Nachmittag klärt sich auch das Donnergrollen, denn um 15.35 ertönt es genau wie gestern: Es ist eine Kanone auf der Fregatte „Jylland“ (
http://www.fregatten-jylland.dk/), die in ihrem Trockendock im Hafen steht. Diese Kanone wird jeden Tag um 15.30 Uhr geladen und abgefeuert! Und natürlich ist auch die Fregatte als kombiniertes Dampf- und Segelschiff eine großartige und absolut sehenswerte Attraktion.
Einkaufen:
Fakta am Hafen: Mo-Fr 09.00-20.00, Sa/So 08.00-18.00, keine frischen Brötchen
Netto und Quickly oberhalb der Stadt: Mo-Fr 09.00-20.00, Sa 08.00-20.00, So 09.00-18.00, Brottheke (Nummer muss gezogen werden, auch wenn niemand da steht; sonst gibt es keine Brötchen! Smörbjerkes sind offensichtlich out (leider). Hier gibt es auch eine Post mit Briefkasten.
Ebeltoft – Grenå – Ebeltoft
Gegen 11.15 Uhr setzen wir Segel und starten bei guter Sicht und einem kräftigen Nordwind (5 Bft) erst nach Süd-Ost um die Sandbank vor Ebeltoft herum, später nach Nord-Ost in Richtung Grenå. Um 13.11 Uhr machen wir schon den dritten langen Kreuzschlag nach Norden: das Seegebiet Hjelm Dyb beschert uns hohen Wellengang aus Nordwest; dabei herrscht ein stetiger Nordwind mit 4-5 Bft. Das erschwert unser Vorankommen erheblich. Um 13.50 Uhr müssen wir das erste Reff ins Groß stecken.
Um 17.00 Uhr stehen wir vor der Hafeneinfahrt von Grenå, nehmen die letzten Segel weg und werfen den Motor an, um in den Hafen einzulaufen. Im Hafen ist es sehr schwer, die Einzelboxen anzulaufen, denn der Wind drückt weiterhin mit 4-5 Bft aus Nord von Hinten auf das Boot. In den Schläuchen mit den Boxen wird der Wind außerdem noch kanalisiert, d. h. er kann auch noch die Richtung um bis zu 30° wechseln. Da ist äußerste Vorsicht geboten.
Um 17.30 sind wir fest.
Der Sportboothafen ist hier in Grenå das Einzige, was den Ort zur Zeit am Leben erhält. Der Industriehafen ist DER Abwrackhafen der Region geworden. Ein kurzer Spaziergang zeigt hier nur verrostende Schiffe und Schiffsrümpfe, die von den Schweißern langsam zerlegt werden. Das Highlight ist das Ostseezentrum, in dem die Vielfalt der Natur in der Ostsee zu sehen ist. Die Zukunft sollen Offshore Windkraftanlagen sein, die von Grenå aus mit Material und Anlagen beliefert werden.
Hafengeld: 130 DKK, sehr schmuddelige Sanitärräume (keine Empfehlung!). Der Kiosk im Hafen bietet frisch aufgebackene Aufbackbrötchen, die am Abend vorher bestellt werden müssen. Daneben gibt es einen Eisverkauf und ein kleines Restaurant mit vielen Fischgerichten. Der Bäcker im Ort, wenn man diese Ansammlung von fünfzehn Häusern als Ort bezeichnen kann, scheint besser zu sein.
Da wir nun den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht haben, kehren wir am nächsten Morgen um und fahren um 10.00 Uhr mit Motor wieder zurück nach Ebeltoft. Denn trotzt Ansage vom DMI haben wir statt der 4-5 Bft nur 0-1 Bft aus Nord, was leider nicht zum Segeln reicht. Mit kurzen Unterbrechungen um den nicht vorhandenen Wind mit Segeln anzutesten stehen wir um 15.00 Uhr vor dem Segelhafen von Øer. Dort kommt uns (und den anderen vier dümpelnden Seglern) die Katamaranfähre der Mols-Linien (www.mols-linien.dk) von Odden (Seeland) nach Ebeltoft/Øer (Jylland) in die Quere. Sie macht aber einfach in voller Fahrt einen Bogen um uns und schlängelt sich durch.
Um 16.30 sind wir wieder fest in Ebeltoft, diesmal direkt in einer der großen Boxen an der Westseite des Hafens.
Abendessen: spanische Kartoffelpizza: 3 Kartoffeln pro Nase, 4 Eier, 1 Zwiebel, Schinkenwürfel nach Geschmack. Kartoffeln roh schälen und in kleine Würfel schneiden. In Öl anbraten. Zwiebel klein schneiden und mit dem Schinken hinzugeben. Deckel auf die Pfanne und bei kleiner Flamme gar ziehen lassen. Dann die vier Eier mit etwas Mineralwasser verquirlen und über die Masse geben. Stocken lassen. Mit Salz, Pfeffer und Kräutern der Provence würzen. Dazu Gurkensalat oder grünen Salat reichen.
Ebeltoft – Mårup (Samsø)
Um 09.30 Uhr laufen wir aus. Der Wind im Hafen ist N 2-3 Bft bei ziemlich dickem Hochnebel. Der DMI hat einen windstillen Tag mit umlaufenden Winden vorhergesagt. An der grünen Tonne vor dem Flach von Ebeltoft setzen wir Segel, um dann plötzlich vor dem Wind zu dümpeln: NNE 0-1 Bft. Also gleich wieder Motor an und weiterfahren. Wir wollen doch mal sehen, ob wir nicht vor der Bucht noch ein bisschen mehr Wind bekommen können! Und tatsächlich ist dort immerhin ein Nordwind von 3 Bft, der uns die Fahrt in Richtung Samsø ermöglicht. An der Westtonne auf Position 56° 05,4‘ N 010° 33,8‘ E setzen wir dann auch die Genua 2 wieder und kreuzen hart am Wind auf Samsø zu, werden aber durch den nach Nord setzenden Strom von unserer Richtung abgedrängt. Auf 56° 02,7‘ N 010° 37,6‘ E sichten wir gegen 14.30 Uhr einen einzelnen Schweinswal, der uns munter umkreist; wenig später noch einen weiteren. Um 16.00 werfen wir wieder den Motor an und bergen die Segel, denn sonst kommen wir nie in unserem Zielhafen Mårup auf Samsø an! Der Wind hat inzwischen stark nachgelassen (2 Bft) und hat auf NW gedreht. Gegen 18.00 sind wir in einer riesigen Box fest. Solche Boxen werden in Mårup wie wir bei einem Hafenrundgang sehen meist mit zwei Booten belegt, die sich dann gegenseitig halten.
Am Abend machen wir nach einem einfachen Abendessen (Spaghetti mit Hack und Käse) noch einen langen Spaziergang in der Dämmerung auf das über uns liegende Kliff, bis uns neugierige Kühe zum Umkehren zwingen.
Mårup (Samsø) Hafentag
Wir haben beschlossen einen Aktiv-Tag auf Samsø einzulegen, denn das Wetter bietet uns keinen nennenswerten Wind an (0-1 Bft) und dann aus südlichen Richtungen.
Im Hafen hatten wir am gestrigen Abend eine große Masse Leihfahrräder gesehen, die wir nun nutzen wollen. Als wir um 09.30 Uhr zu der Stelle kommen müssen wir feststellen, dass alle Räder unterwegs sind, bis auf zwei Gurken, die auch noch direkt vor unserer Nase weggefahren werden. Doch wie wir bei dem Weg in den Ort Mårup feststellen müssen zu unserem Glück: bei dem einen hängt sich ständig die Kette aus, bei dem anderen fährt der Sitz immer wieder herunter. Und sowieso der eigentliche Fahrradverleih ist nur ca. 15 Gehminuten vom Hafen entfernt (
http://www.samsoecykel.dk/). Dort bekommen wir dann auch ‚richtige‘ Fahrräder, die unserer Größe angepasst sind. Ein Rad kostet 70 DKK pro Tag. Räder ohne Rücktritt müssen am Tag vorher bestellt werden, denn davon gibt es bisher nur wenige. Bestellen kann man Fahrräder auch direkt am Kiosk im Hafen von Mårup. Diese Fahrräder kann man an allen Bushaltestellen auf der Insel „abgeben“ und dann einfach mit dem Bus wieder an den Startort fahren. Oder aber man nutzt für eine Teilstrecke den Bus, nimmt sich dann ein neues an der nächsten Bushaltestelle und fährt damit weiter.
Wir fahren nun auf unserer ersten großen Radtour von Mårup aus nach Süden und biegen nach ungefähr 5 km nach Langør ab. Entlang des großen Heidegebietes der Nordby Hede geht es in sanfter Fahrt bis zur Langør Kirke, die sich auf der linken Seite am Weg erhebt. Innen werden wir sehr nett vom Küster durch die Kirche geführt. Dabei stellt sich heraus, dass er lange in Niebüll gewesen ist und so trainieren wir uns ein wenig gegenseitig: wir sprechen Dänisch und er antwortet auf Deutsch. Im Altarraum hängt eine Fünfmastbark von der Decke und er erzählt uns ihre Geschichte. Danach fahren wir weiter zum sehr idyllischen Langør Havn und besteigen einen Hügel, von dem aus sich die wunderschöne Naturbucht betrachten lässt. Von Langør Havn geht es auf der alten Strecke zurück bis zu einer Weggabelung und dann von dort aus nach Süden, an vielen Grønsager-Auslagen vorbei nach Stavns. Wir nutzen die Gelegenheit und kaufen Tomaten, Gurken und frisches Obst. In Stavns suchen wir den Weg zum Flugplatz von Samsø (
http://www.samair.dk), denn von dort soll ein Rad-Wanderweg nach Alstrup auf der Südseite der Bucht führen. Der Flugplatz ist wirklich süß: drei kleine Holzbaracken bergen Terminal 1 (Ankunft), Terminal 2 (Abflug) und den Tower (Bar, Büro, Eis- & Honigverkauf). Ein kleines Museum mit Flugzeugmodellen ist noch im Terminal 1 zu finden und auch die Sammlung im Terminal 2 ist durchaus sehenswert. Der Pilot, Fluglotse und Flughafenkapitän (in Personalunion) verkauft neben Kaffee, Kuchen und Eis auch dänischen Honig (drei Glas á 500g für 100 DKK).
Weiter geht es über den holprigen Feldweg an der wikingischen Festung Gammelholm vorbei durch Mais- und Gerstenfelder nach Alstrup. Dort angekommen werden wir von einem ungewöhnlichen Anblick überrascht: Weinanbau rund um den größten Bauernhof mitten im Ort (Alstrup Vin Søgård,
http://www.alstrupvin.dk/). Und der Winzer, Herr Hedebø selbst bittet uns kurzerhand in den ehemaligen Kuhstall einzutreten. In dem heutigen Verkaufsraum, der mit alten Gerätschaften aus der Landwirtschaft ausgestattet ist bietet er uns eine Weinprobe aus den Erzeugnissen von Hof Søgård an. Den Anfang macht allerdings ein Fingerhut voll Cassis, also ein Likör aus schwarzen Johannisbeeren. Schwarze Johannisbeeren werden auf ganz Samsø kommerziell angebaut und sind neben den berühmten Samsøkartoffeln das wichtigste Exportgut der Insel. Kaufen können wir leider nichts mehr von diesem Likör, denn es ist gerade jetzt Erntesaison und der neue Cassis ist noch nicht abgefüllt. Danach präsentiert er uns stolz die beiden Rotweinsorten, die sich jedoch als sehr sauer herausstellen. Cuvee Sofia 2008 ist schon auf Flaschen gezogen, der Jahrgang 2009 ist noch im Fass. Durch Lagerung sollen sie jedoch viel besser werden und dann eher einem guten Bordeaux ähnlich sein.
Über das Örtchen Langemark geht es weiter nach Tranebjerg, um Geld und Rosinenboller einzukaufen. Die Post ist umgezogen in den neuen Super Brugsen am Ortseingang, aber die vielen kleinen Läden z. B. mit schönen Stofftaschen laden zum Bummeln ein. Wir fahren nach kurzem Aufenthalt über Onsbjerg zum langgezogenen Weststrand der Insel weiter.
An der Bucht mit türkisfarbenem Wasser entlang führt uns ein gut ausgebauter Radweg wieder in Richtung Mårup. Auf halber Strecke legen wir eine Strandpause ein, um ein wenig im lauwarmen Wasser zu planschen und uns zu erholen. Die Bucht scheint einige hundert Meter sehr flach zu sein, was auch das Südseebild erklären würde. Der nächste Stopp ist an der schmalsten Stelle von Samsø: In der Wikingerzeit wurde hier 726 n. Chr. ein Durchstich durch die Insel gegraben, um es dem Schiffsverkehr leichter zu machen. Dieser Durchstich ist auch heute noch gut zu erkennen.
In Mårup angekommen fahren wir zum Super Brugsen und kaufen Solbær-Likör und -Essig mit Estragon (in der Samsø-Ecke am Fenster). Nach einer längeren Ausruhphase an Bord mit Kaffee und Kuchen schwingen wir uns wieder auf die Räder. Diesmal geht die Fahrt in den Norden der Insel. Erste Station ist Nordby (
http://www.nordbysamso.dk/) mit vielen restaurierten Bauernhöfen in Fachwerk und Stockrosen in allen Farben. In der alten Kirche ist eine Töpferei untergebracht. Von Nordby aus geht es auf den höchsten Punkt der Insel: den 61m hohen Ballebjerg. Hier steht ein kleiner Aussichtsturm, in dessen Innerem die Geschichte des Türmchens erklärt wird. Die Aussichtsplattform oben wird mit Hilfe einer Eisentreppe erreicht. Von hier lässt sich die gesamte Insel überblicken.
Um nicht wieder gleich nach Nordby zurück zu fahren, folgen wir einem Feldweg, der grob nördliche Richtung hat. An dem Parkplatz am Ende des Feldweges ist eine Wanderkarte, auf der wir eine Querverbindung sehen können, die uns nach Osten bringt. Der Weg ist eigentlich ein Wanderweg und kein Fahrradweg, aber wir überwinden die Kuhgatter einfach, in dem die Fahrräder darüber gehoben werden. Nach dem vierten Gatter ist endlich wieder eine Straße erreicht, die uns wieder gen Süden führt. Auf dieser Sandpiste führen wir den Hügel abwärts. Dabei fallen uns nach kurzer Zeit frische Zwiebeln auf, die auf dem Weg herumliegen. Am Anfang denken wir uns nichts dabei, aber am Ende sind es doch fast zwei Kilo, die in unserem Fahrradkorb gelandet sind. Diese Sammlung ist die Geburtsstunde eines neuen Märchens von der Insel Samsø: Die Goldene Zwiebel (in einer der nächsten Ausgaben des Mitteilungsblattes der SVK).
Am Abend beschließt nach einem ausgiebigen Besuch der durch die übrigen Segler mit Wasser gefluteten Dusche ein Glas Rotwein unter dem Sternenzelt unsere Tour.
Hafengeld: 135 DKK
Duschen: Nur mit Karte aus dem Automaten zu benutzen. Der Automat nimmt nur Bargeld (!), der vermeintliche Karten-Schlitz im Automaten ist nur für zurückzugebende Duschkarten, nicht für EC-Karten!
Mårup (Samsø) – Nyborg
Um 09.30 legen wir ab und schon eine Viertelstunde später setzen wir Segel und gehen auf Kurs 200°. Unser heutiges Tagesziel ist Nyborg. Als wir allerdings auf Höhe Kerteminde sind frischt der Wind immer mehr auf, nachdem er zwischenzeitlich völlig eingeschlafen war und wir mit MAANA (Möltenort) um die Wette motort sind. Jetzt mit dem frischen Wind haben wir sie ziemlich ausgesegelt.
Im Store Bælt steht uns allerdings ein heftiger Strom (~ 1,2 – 1,4 kn nach NW) entgegen. Zeitweise zeigt die Logge 6 kn FdW und das GPS nur 3,6 kn üG an. Damit haben wir nicht gerechnet! Wir halten uns auf der Westseite des Store Bælt. An der Brücke ist der Strom besonders stark und durch den nordwestlichen Wind hat sich hier auch eine starke Welle aufgebaut. Dadurch ist das Wasser besonders kabbelig und macht die Durchfahrt nur unter Motor und Segel möglich. Nach dem Passieren der Brücke empfängt uns eine hohe See (~1-2m) aus SE, die unser Vorwärtskommen stark behindert. In Höhe der Ansteuerungstonne nehmen wir die Segel weg und laufen unter Motor in Nyborg ein.
Erst um 20.45 Uhr sind wir längsseits fest an einem alten Fischkutter in dem sonst ziemlich einsamen Hafen Nyborg. 56 Seemeilen haben wir heute geloggt. Im Hafen sind an vielen Stegen neue Pfähle gerammt, die leider für uns zu eng stehen. Nach einigen Anläufen in den schmalen Zufahrtsschläuchen bei 3-4 Bft aus E haben wir es aufgegeben und uns an den Kutter verholt.
Zum Abendessen gibt es Kartoffeln aus dem Dampftopf mit einer leckeren Pfifferlingsoße: 1 Dose Pfifferlinge 350g, 1 Zwiebel, 1 Pkg Schinken, 1 Packung helle Soße, Pfeffer, Maggi, Milch.
Nyborg ist als Hafen ein kleines Schmuckstück geworden. Die alten Kaianlagen der Nyborg-Korsør Fähren sind mit modernen Wohnanlagen bebaut. Oberhalb des Hafens stehen noch die Villen der Jahrhundertwende, die zu dem gepflegten Eindruck beitragen.
Hafengeld: 125 DKK, der Hafenmeister kommt morgens zwischen 08.00 und 09.00 Uhr herum, Strom und Wasser inklusive. Die sanitären Einrichtungen sind einigermaßen sauber.
Nyborg Havn – Troense (Tåsinge)
Nach einer sehr ruhigen Nacht, denn im Hafen ist außer zwei kleineren Fischern nichts mehr los, genieße ich den sehr frühen Morgen bei Buch und einer Tasse Kaffee. Der Wind bläst unvermindert mit 8-10 m/s (4-5 Bft) aus Ost. Um 10.00 Uhr legen wir ab und fahren aus diesem stillen, ja fast toten Hafen. Um 10.30 Uhr setzen wir Segel und gehen auf SSE-Kurs, später Südkurs zur Einfahrt in den Svendborgsund.
Hier nehmen wir das Groß weg und segeln nur unter Genua 3 vor dem Ostwind in den Sund. Der Strom hat normalerweise eine Geschwindigkeit von 2-3 Knoten, kann aber je nach Wind und Wetterlage in den umgebenden Seegebieten auch bis zu 6 Knoten stark sein.
Heute ist er mäßig mit knapp 1,5 Knoten und setzt um diese Uhrzeit von Osten durch den Sund. Er wird um 15.30 Uhr kentern und dann in der Gegenrichtung fließen. Hier hilft uns vor allem der aktuelle Sejlerens, denn hier sind für die Sommermonate alle Strömungstabellen abgebildet. Aktuelle Meldungen gibt es natürlich auch im Internet bei
http://havne.sydfyn.dk/?q=stroemtabel zu lesen.
In Troense auf der Insel Tåsinge finden wir im Hafen noch ein nettes Plätzchen. Die Liegeplätze für Gastlieger sind an den Stegköpfen in einzelne Tortenstücke aufgeteilt. Dadurch muss beim Anlegen gut auf den Bug geachtet werden, aber mit Hilfe der Stegnachbarn wird das ein leichtes Spiel, in dem aber der Strom eine deutliche Rolle spielt! Nach kurzer Kaffeepause gehen wir zum Havnevogd, um uns bei ihm Fahrräder auszuleihen. Er ist ein netter Herr in seinen späten 70ern und geht mit uns zum Fahrradschuppen. Nach ein bisschen Einstellarbeit und Aufpumpen geht es in Richtung Osten los, um die Insel zu erkunden.
Erste Station ist Valdemars Slot (
http://www.valdemarsslot.dk/), ein Lustschloss des dänischen Königshauses mit Pantoffelabteilung (10-17 Uhr); für uns leider zu spät, aber es soll innen sehr sehenswert sein. Es ist 1639-1644 von König Christian IV. für seinen Sohn Graf Valdemar Christian gebaut worden, der es jedoch nie kennen gelernt hat. Heute dient es vor allem als Standort für drei Museen: ein Jagdtrophäen- und Völkerkundemuseum, Dänemarks Museum für den Segelsport und für das größte und umfangreichste Schlossmuseum Dänemarks.
Von dort geht es über die 700 Jahre alte Ambrosius-Eiche zur Kirche von Bregninge (
http://www.bregningekirke.dk) die auf dem höchsten Punkt der Insel Tåsinge steht. Der Turm ist 24 Stunden am Tag und an 7 Tagen der Woche geöffnet. Von der Turmspitze genießen wir einen herrlichen Ausblick nach allen Seiten.
Auf dem Rückweg kommen wir noch bei einem Brugsen in Vindeby vorbei, bei dem wir unsere Vorräte ein letztes Mal ergänzen.
Am Abend gibt es Goulasch mit Nudeln und Salat.
Dusche: ist supersauber und funktioniert mit 5-Kronen Stücken (für 3 Minuten warmes Wasser).
Hafengeld: 120 DKK
Brötchen können (und sollen) beim Hafenmeister bestellt werden, denn der „gute“ Bäcker ist in Vindeby am Hafen, etwa fünf Kilometer entfernt.
Troense (Tåsinge) – Fåborg
Am Morgen wird Renate von unserem Stegnachbarn mit einem Porsche Carrera zum Bäcker nach Vindeby chauffiert und kommt mit Brötchen und einer Wiener Stang zurück, die unser Frühstück wunderbar bereichern. Um 11.00 Uhr legen wir ab und segeln weiter durch den Svendborg Sund. An Svendborg fahren wir vorbei und nehmen kurz vor der Svendborg Bro das Segel herunter, denn durch die Brücke steht ein Strom von 1,5 kn gegen an. Hinter der Brücke stehen laut unserer Seekarte drei rote Tonnen als Fahrwasserbegrenzung bis zu einem „Tor“ aus einer Nord- und einer Süd-Tonne, durch das alle Schiffe hindurchmüssen. An genau dieser Stelle kommt uns eine breite Fähre entgegen, die das schon sehr schmal stehende Tor noch schmaler macht. Und das bei zunehmendem Wind!
Nach dieser Gefahrenminute segeln wir bis zur großen Breite zwischen Fünen und Skarø. Da wir zu viel Vorsegel gesetzt haben, beschließen wir hier, Segelwechsel auf dem Wasser zu machen: Genua 2 herunternehmen und die Genua 3 wieder hoch. Nach einer guten halben Stunde Aktivität sind wir wieder segelklar und können den inzwischen gestarteten Motor wieder ausmachen.
Der Westwind nimmt nun immer mehr zu und wir müssen schon um 14.10 Uhr das 1. Reff ins Groß stecken. Aber auch das hilft nur wenig: wir düsen nun schon mit 6,4 kn durch das Wasser in Richtung Fåborg. Also stecken wir um 14.30 Uhr das 2. Reff ins Groß, müssen aber bald danach das Groß ganz wegnehmen (15.00 Uhr).
Mit 7,4 kn üG laufen wir nur unter Genua bei 6Bft aus West durch die Grydeløb-Rinne! Die Durchfahrt ist durch rote bzw. grüne Tonnen gekennzeichnet. Um 15.50 nehmen wir die Genua herunter und laufen in den Lystbådehavn von Fåborg ein. Wir finden nur eine sehr enge Box mit dem Heck zum Wind. Um 16.20 Uhr sind wir endgültig fest.
Wir machen noch einen kurzen Rundgang durch die Stadt, die an unserem Stadtende einen sehr heruntergekommenen Eindruck macht. Im „Blue Ice House“ am Markt gibt es noch ein gutes Gammeldags-Eis. Nur müssen wir feststellen, dass die normalen (und bisher immer sehr guten) dänischen Eissorten durch italienisches Eis verdrängt werden.
Im alten Handels- und Gewerbehafen am Südostende der Stadt ist alles Gewerbe nun durch die Sportschifffahrt verdrängt worden: dafür ist der Hafen selber schick umgebaut worden und neu gestaltet. Er scheint bei Westwindlage ein sehr guter Schutzhafen zu sein. Besser jedenfalls als der Lystbådehavn, in dem wir untergekommen sind.
Hafengeld: 125 DKK, Strom, Wasser und Zugang zu den WCs müssen per Karte dazugekauft werden. Ein ungepflegtes WC im Clubhaus ist ohne Karte zugänglich, aber sehr stark frequentiert.
Fåborg – Kiel
Zum Frühstück holen wir noch ein letztes Mal köstliche Smørbirkes und Tebirkes (mit Marzipan gefüllt).
Um 09.30 Uhr legen wir bei völliger Windstille ab und laufen daher bis 12.15 Uhr auf Südkurs in Richtung Kiel. Dann setzen wir bei einem leichten Wind (2-3 Bft SE) Segel.
Auf 54°54,6‘ N und 010°13‘ E können wir noch zwei Schweinswale beobachten.
Aber dann geht es ohne weitere Pausen und Ereignisse auf Kurs 166° direkt zum LT Kiel. Um 16.30 Uhr haben wir ihn erreicht und drehen in Richtung Kiel ab. Um 17.56 Uhr sind wir wieder fest in der Stickenhörn.
Den Abend beschließen wir im „Il Gambero“ in Friedrichsort an der Schanze. Wirklich ein krönender Abschluss einer wundervollen Segelreise!
Insgesamt haben wir in dreizehn Tagen 372 Seemeilen (und 69 Kilometer auf dem Fahrrad) zurückgelegt. Dabei haben wir 17 verschiedene Häfen und Städte besucht und kennen gelernt.
